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  Indien und die Naxaliten


Lutz Getzschmann
Indien und die Naxaliten
Agrarrevolution und kapitalistische Modernisierung
Wissenschaft und Forschung 25

415 S., kart., € 32.00
2011
ISBN 978-3-89900-025-2

Der indische Subkontinent befindet sich in einem Prozess rasanter ökonomischer und gesellschaftlicher Modernisierung. Während die bürgerlichen Medien diese kapitalistische Durchdringung als Fortschritt feiern, geraten die katastrophalen sozialen Folgen ungleicher Entwicklung und der Zerstörung der kleinbäuerlichen Subsistenzwirtschaften meistens aus dem Blickfeld.
Verlierer des Fortschritts sind in besonderem Maße die untersten ländlichen Kastengruppen und als "Unberührbare" stigmatisierten Dalits sowie die Adivasi, die indischen UreinwohnerInnen, deren Siedlungsgebiete in Zentral- und Ostindien den Erschließungsplänen großer Bergbaukonzerne und Holzunternehmen im Wege stehen.
Die "Naxaliten" sind eine seit über 40 Jahren bestehende kommunistische Aufstandsbewegung, die ihre Wurzeln in der Erhebung der Dalit-Landarbeiter und Adivasi im nordbengalischen Naxalbari im Frühjahr 1967 hat.
Heute sind bewaffnete Naxalitengruppen wie die CPI (Maoist) in ca. 40 Prozent des indischen Territoriums aktiv und haben in Zentralindien mehrere "befreite Zonen" errichtet. Legalisierte Naxalitenparteien wie die CPI-ML- Liberation sind in Regionalparlamenten vertreten und profilieren sich als fundamentale Opposition gegen die kapitalistische Globalisierung.
In diesem Buch wird die Geschichte der Naxaliten im Kontext der Klassenauseinandersetzungen und sozialen Bewegungen Indiens dargestellt. Die Triebkräfte sozialer Rebellion und ihre Entwicklung von den 1960er Jahren bis heute stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Auf dieser Grundlage wird nach der historischen Rolle, den Perspektiven, aber auch den Grenzen der bewaffneten Bewegungen gefragt. Die Naxaliten erweisen sich dabei als Bestandteil der auf verschiedenen Ebenen entstandenen Bewegungen gegen die destruktive kapitalistische Modernisierung Indiens.


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